Von Nadja Steiner.

Früher war alles besser oder zumindest einfacher.
Meine ehemalige Stute (wohlgemerkt hoch im Blut stehend, kein Robustpony) bekam 3 x pro Tag eine Scheibe Heu, abends zusätzlich eine Scheibe Stroh sowie 1 Mass Hypona 788, wahlweise auch mal Hafer pur, bis zu 3 Liter. Je nachdem, wer grad mein Mentor in Sachen Training und Muskelaufbau war. Die sehnlichst erwünschten Muskeln hat sie jedoch nie im gewünschten Ausmass bekommen, Hafer hin oder her. Ob es wohl an meinen, zugegeben ziemlich bescheidenen Reitkünsten gelegen hat oder allgemein an der Tatsache, dass sie halt ein Vollblut im klassischen Windhundstyle war, bleibt mal dahingestellt.
Dies nur so nebenbei.
Zurück zu Ihren Ernährungsgewohnheiten: im Sommer gab es Weide satt. Sie konnte den lieben langen Tag Gras in sich reinstopfen, soviel sie mochte, ohne dass sich das ausser bei einem wirklich minimalen Weidebäuchlein, das ich heute als Ponybesitzerin gar nicht als solches erkennen würde, bemerkbar machte.
Hatte Sie zeitlebens Stoffwechselprobleme
oder sonstige gesundheitliche Probleme aufgrund der nicht optimalen Fütterung? Fehlanzeige! Obwohl weder das Heu getestet und als Zucker- und Eiweissarm befunden wurde oder ich sie ausschliesslich auf ausgesucht mageren Wiesen grasen liess. Weide also ebenfalls ungetestet und im Nachhinein gesehen wahrscheinlich das eine oder andere Mal mehr als nur fett und einem Mastkalb eher würdig, als meiner zarten Vollblutstute.
Hatte sie deshalb je einmal mit Uebergewicht zu kämpfen? Fehlanzeige.
War Sie doch die ganzen Jahre über zu dünn und hin und wieder gab es halbherzige Versuche meinerseits, ihr durch zusätzliche Portionen einige Kilos mehr auf die Rippen zu zaubern. Wir hatten zwar mit diversen anderen hartnäckigen Problemen zu kämpfen, aber Stoffwechselstörungen und damit verbundene Folgeerscheinungen gehörten definitiv nicht dazu.
Hätte mich damals jemand nach EMS oder beispielsweise nach KPU gefragt, hätte ich wohl einfach mit den Schultern gezuckt und gedacht, es handle sich hierbei bestimmt um weiterführende Schulen (ähnlich BMS, ist ja logisch, versteht sich von selbst) oder jemand gründet eine neue Firma oder so. (KPU steht bestimmt für Kleines Persönliches Unternehmen, ist ja logisch, versteht sich von selbst). Auch das berüchtigte Sommerekzem kannte ich nur vom Hörensagen, nie war ich gezwungen, mich näher damit auseinander zu setzen.
Das alles änderte sich jedoch schlagartig, als Doretta vom Hühnerberg, von uns bald liebevoll Dorli genannt, in mein Leben galoppierte, oder besser gesagt humpelte und rollte. In kurzer Zeit mauserte ich mich zum wahren Experten in Bezug auf oben eingangs genannt Störungen, von deren Existenz ich bis anhin nicht einmal ahnte. Aber das ist eine andere Geschichte, die werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erzählen.

Passend zu Aktualität und Jahreszeit möchte ich erst die Geschichte von meiner Isländerstute Selja erzählen.

Weitere Erfahrungen und Erlebnisse folgen…

Hier geht es zu Teil 1 von Seljas Geschichte.