Der Nachfolgende Text basiert auf meinen bisherigen Erfahrungen und Gedanken zum Thema. Wirklich wissenschaftliche Fakten habe ich noch keine dazu gefunden. Es ist mehr ein Erklärungsversuch mit meinem aktuellen Wissensstand.

Hefen sind einzellige Pilze, die sich durch Knospung und Spaltung vermehren können. Sie brauchen Wärme, Feuchtigkeit und Zucker (davon im Heu Glukose, Fruktose und Saccarose) zum Wachsen.

Wie beim Backen eines Zopfes bekannt: Erst wenn die lauwarme Flüssigkeit zum ‚Teig‘ kommt und bei Zimmertemperatur in Ruhe gelassen wird, dann werden die Hefen aktiv und der Teig geht auf. Wann haben wir diese Bedingungen im Heu?

Situation 1: Das Heu wird auf dem Feld gepresst, ist mit der Feuchtigkeit noch über 15% und wird relativ fest gepresst. Nun kommt es in die Lagerhalle. Die ‚Nachgärung‘ beginnt, das Heu wird warm und zusammen mit der Feuchtigkeit haben wir schon die idealen Bedingungen für die Hefen.

Situation 2: Das Heu kommt zum Nachtrocknen auf die Belüftung. Nun kommt es auf die zugeführte Luft an, wie gut sich die Bedingungen für die Hefen entwicklen. Wird normale Aussenluft angesogen und die Belüftung eventuell noch über Nacht laufen gelassen, dann ist die Luft ‚kühl‘ und ‚feucht‘ und kann somit nicht genug Feuchtigkeit aufnehmen. Das Heu wird durch die Fermentation wieder warm und die Feuchtigkeit  ist genug hoch – ideale Bedingungen für die kleinen Hefepilze. Eine weitere Rolle spielt sicher wie dicht das Heu auf der Belüftung liegt. Wenn es zu lange geht, bis die Luft an alle Orte kommt, dann ist es dort auch feucht und warm.

Fazit: Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, wie es denn möglich ist Heu herzustellen ohne hohe Hefen? Das habe ich mich auch gefragt nach den obenstehenden Gedanken, bzw dem Erklärungsversuch. Grundsätzlich muss man sagen, dass immer noch eine ganz kleine Anzahl der Heuchargen so genau getestet wird. In den meisten Fällen weiss man es schlicht nicht. Von den bisher im 2018 untersuchten Heuchargen sind bei 10 von 17 Proben die Hefen leicht bis mittel erhöht. 7 davon bei belüftetem Heu und 3 nach Feldpressung.

Was meiner Meinung nach bei der Herstellung wichtig ist:

Beim Feldpressen muss das Heu wirklich trocken sein und die Lagerung anschliessend so, dass das Heu ‚atmen‘ kann. Quaderballen sind hier nicht geeignet, Rundballen mit bis ca 80bar gepresst oder Kleinballen (ca 20-25kg) verzeihen da noch mehr.

Beim Belüften lohnt es sich einen Luftentfeuchter anzuschaffen und anzuhängen. Das macht schon viel aus. Wenn zusätzlich je nach Aussenwitterung noch warme, entfeuchtete Luft zugeführt werden kann, umso besser. Auf keinen Fall heisse Luft, da gehen alle Vitamine und Nährstoffe kaputt.

Weiter kann der Zeitpunkt der Probennahme eventuell eine Rolle spielen. Bei zwei Bauern waren die Hefenwerte in der ersten Analyse massiv hoch einer Woche nach der Ernte und nach weiteren 5 Wochen dann nur noch leicht erhöht. Da frage ich mich nur wo die hin sind? Die waren ja da…

Ein Versand per B-Post in einem Plastiksack kann eventuell auch noch einen Einfluss haben, könnte ich mir vorstellen. Daher haben meine Probenbeutel seit dieser Woche ein paar Löcher drin… 🙂

Wissensstand Juli 2018